Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg: Wie sie aufgebaut ist und welche Fälle sie bearbeitet

Cyberkriminalität gehört mit der fortschreitenden Digitalisierung und insbesondere dem steigenden Einsatz von KI zu einer der größten Herausforderungen für Strafverfolgungsbehörden. Betrug im Internet, Hackerangriffe auf Unternehmen oder Straftaten im Darknet zeigen, dass sich ein erheblicher Teil der Kriminalität in die digitale Welt verlagert hat.

Für die Ermittlung in diesen Verfahren hat der Freistaat Bayern eine spezialisierte Einheit geschaffen: die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB). Sie wurde am 1. Januar 2015 bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg eingerichtet und seitdem stetig weiter ausgebaut.

Warum gibt es eine zentrale Cybercrime-Stelle?

Mit der zunehmenden Digitalisierung haben sich auch Straftaten verändert. Täter agieren im Netz, nutzen dort verschlüsselte Kommunikationswege oder verstecken ihre Identität. In vielen Fällen reicht die klassische Strafverfolgung einzelner Staatsanwaltschaften oft nicht mehr aus.

Daher werden besonders komplexe oder bedeutende Fälle der Cyberkriminalität in Bayern seit nun schon mehr als 10 Jahren zentral von der ZCB bearbeitet. Sie verfügt über:

  • Spezialisierte Staatsanwälte mit technischer Expertise
  • IT-Forensiker
  • Kooperationen mit internationalen Ermittlungsbehörden (z. B. INTERPOL)

Durch die gezielte Spezialisierung kann sie eine effizientere Bekämpfung von Cyberkriminalität gewährleisten.

Von 500 zu über 18.000 Fällen pro Jahr

Angefangen hat die ZCB mit zwei Staatsanwälten und 500 Fällen. 2023 sieht das ganz anders aus: 30 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte bearbeiteten gemeinsam mit fünf IT-Forensikerinnen und IT-Forensikern über 18.000 Fälle. Diese Zahl zeigt eindrucksvoll den Anstieg der Kriminalität im Netz.

Diese Entwicklung sorgte dafür, dass die ZCB seit ihrer Einrichtung immer weiter ausgebaut wurde, u.a.:

  • Behandelt sie seit August 2018 auch Internetkriminalität im Bereich Wirtschaftsstrafrecht, also Verfahren wegen Wirtschaftscyberkriminalität.
  • Optimiert sie ihre Arbeitsweise durch den Einsatz von innovativen Ermittlungswerkzeugen wie z. B. einer Analyseplattform für Kryptowährungen

Typische Straftaten, mit denen sich die ZCB beschäftigt

Online-Anlagebetrug (Cybertrading) und Fake-Shops

Ein verbreitetes Delikt sind betrügerische Anlageplattformen im Internet. Sie verleiten ihre Opfer im Netz mit vermeintlichen hohen Erträgen zu Investments. Derartige Cybertrading-Betrugsmodelle verursachen jährlich Schäden in Milliardenhöhe.

Häufig treten auch Fake-Shops in den Fokus der ZCB. Auf täuschend echt und seriös aussehenden Plattformen bestellen Opfer online Waren, die sie jedoch nie erhalten.

Hackerangriffe und Cyberangriffe auf Unternehmen

Auch Hackerangriffe auf Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen fallen in den Zuständigkeitsbereich der ZCB. Dabei kann es sich beispielsweise um Ransomware-Angriffe oder Datendiebstahl handeln.

Kinderpornografie und sexueller Missbrauch im Internet

Ein besonders sensibler Bereich ist die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie. Hierfür wurde unter dem Dach der ZCB 2020 sogar ein eigenes Zentrum eingerichtet, das besonders komplexe Ermittlungen koordiniert: das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornographie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI).

Aktuelle Fälle der Zentralstelle Cybercrime Bayern

In einem aktuellen Verfahren wurde der Betreiber eines Betrugs-Callcenters am Landgericht Bamberg im Februar 2026 zu 7,5 Jahren Haft verurteilt. Bis zu 600 Mitarbeiter soll er zwischenzeitlich in seinem albanischen Callcenter beschäftigt haben. Die Ermittlungen führte die ZCB in Bamberg. Sie fand heraus, dass er in Georgien eine Software hat entwickeln lassen, die den Betrug automatisierte. Im Rahmen eines internationalen Einsatzes konnte der Beschuldigte festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert werden. Den insgesamt verursachten Schaden schätzen die Ermittler auf mindestens 190 Millionen Euro.

Spezialisierung der Kanzlei Pflefka im Bereich Cybercrime – technische Expertise in der Verteidigung

Die Ansiedlung der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hat Bamberg zu einem Schwerpunktstandort für Cybercrime-Verfahren entwickelt. Entsprechend haben auch wir als Kanzlei uns auf diese komplexen Verfahren fokussiert.

Cybercrime-Verfahren unterscheiden sich von klassischen Strafverfahren: digitale Beweismittel, IT-forensische Gutachten und internationale Ermittlungen spielen eine zentrale Rolle. Eine fundierte Verteidigung erfordert daher nicht nur juristisches Fachwissen, sondern auch ein solides Verständnis technischer Zusammenhänge.

Besonders in umfangreichen Ermittlungen ist eine frühzeitige rechtliche Beratung entscheidend, um die Rechte der Beschuldigten effektiv zu wahren und mögliche Verfahrensrisiken zu minimieren. Unsere Strafverteidiger sind die richtigen Ansprechpartner, wenn es um Strafverfahren im Bereich Cybercrime geht.

Quellen:

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