Menschen, die anders aussehen, glauben oder lieben als die Mehrheit, haben es im Berufsleben oft nach wie vor schwerer als andere. Auch das Alter und gesundheitliche Einschränkungen führen zu Benachteiligungen.
Fast ein Drittel der Beschwerden bei der Antidiskriminierungsstelle betreffen den Arbeitsmarkt, sagt Christina Schildmann, Direktorin unserer Forschungsförderung, im Podcast Systemrelevant.
Zu Gast ist auch Annika Feith, die zusammen mit Florian Fickler, beide vom unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR, in einer von uns geförderten Studie genauer untersucht haben, wie es um Diversität, Chancengerechtigkeit und Inklusion im Arbeitsleben steht. In ihrer Studie wurden die sechs Vielfaltsdimensionen betrachtet, die das Gleichbehandlungsgesetz (AGG) benennt.
Das Gesetz, das seit 2006 in Kraft ist, soll „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen“. Die Realität sieht jedoch anders aus.
Laut Feith sei wichtig zu erwähnen, „dass Benachteiligung häufig nicht bewusst passiert und auch nicht in böser Absicht, sondern aufgrund von unbewussten Vorurteilen, die unserem Gehirn als Informationsabkürzung dienen. Unser Gehirn liebt einfache Wahrheiten und Abkürzungen und bevorzugt es außerdem, mit Personen zusammenzuarbeiten, die einem ähnlich sind“, erklärt sie im Podcast. Der Fachbegriff dafür sei Homophilie.
Wie zahlreiche Studien nahelegen, so Feith, bedeute dies in der Praxis, dass etwa nicht deutsch klingende Namen, aber auch nicht christliche, religiöse Symbole, wie beispielsweise ein Kopftuch, die Chancen verschlechtern, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.
Im weiteren Verlauf der Podcast-Folge berichten Schildmann und Feith von den für sie überraschendsten Ergebnissen der Studie, analysieren die Auswirkungen von Diskriminierung am Arbeitsplatz auf verschiedene Beschäftigtengruppen und besprechen mögliche Maßnahmen für Unternehmen.
Weitere Informationen:
Transkript zu Folge 296 als PDF
https://www.boeckler.de/data/Transkript_Folge_296.pdf
Pressemitteilung: Annika Feith, Florian Fickler 2026: Wie steht es um die Chancengerechtigkeit in Deutschland? Der Status quo von Diversity and Inclusion in der deutschen Beschäftigtenlandschaft, Working Paper der HBS-Forschungsförderung Nr. 400
https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-belegschaften-in-deutschen-unternehmen-sind-vielfaeltig-75966.htm
Über den Podcast:
In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.
Regelmäßig dabei:
Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)
Bettina Kohlrausch, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI)
Daniel Hay, Direktor des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.)
Ernesto Klengel, Direktor des Hugo Sinzheimer Instituts (HSI)
Christina Schildmann, Leiterin der Forschungsförderung
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