Aktuelles zur Organhaftung

Die Organhaftung ist ein zentrales Thema des Gesellschaftsrechts. Sie betrifft die persönliche Haftung von Vorstandsmitgliedern, Aufsichtsratsmitgliedern und GmbH-Geschäftsführern für Schäden, die sie der Gesellschaft oder Dritten durch Pflichtverletzungen zufügen. Mit steigendem Bewusstsein für Corporate Governance und zunehmender Bereitschaft von Gesellschaften und Insolvenzverwaltern, Organhaftungsansprüche durchzusetzen, ist die Organhaftung zu einem bedeutenden Praxisfeld geworden.

Für Vorstandsmitglieder einer AG regelt § 93 AktG den Haftungsmaßstab: Sie haben die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters anzuwenden. Die Business Judgment Rule schützt sie bei unternehmerischen Ermessensentscheidungen, sofern diese auf angemessener Informationsgrundlage und in gutem Glauben getroffen wurden. Für Aufsichtsratsmitglieder gelten vergleichbare Maßstäbe bei der Überwachungspflicht. Beide Organe sind durch D&O-Versicherungen (Directors and Officers) abgesichert, die jedoch eigene rechtliche Fragen aufwerfen.

Recht Umschau aggregiert täglich aktuelle Rechtsnews zur Organhaftung. Wir kuratieren Beiträge aus Gesellschaftsrechtsblogs, informative YouTube-Videos und Podcast-Episoden, die aktuelle Urteile und Entwicklungen zur Organhaftung praxisnah aufbereiten. Ob neue BGH-Urteile zur Geschäftsführerhaftung, aktuelle Entscheidungen zur Aufsichtsratsüberwachung oder Kommentare zu D&O-Versicherungsklauseln – bei Recht Umschau finden Sie täglich den aktuellsten Stand.

Blogs

Am 18.3.2026 hat die Europäische Kommission den Verordnungsvorschlag für die „EU Inc.“ vorgelegt (COM(2026) 321) – eine neue, optionale Kapitalgesellschaft als „28. Regime“ neben den 27 nationalen Rechtsordnungen. Nach dem Scheitern der Societas Privata Europaea (SPE, 2008–2011) an der Mitbestimmungsfrage und der erfolglosen Societas Unius Personae (SUP, 2014) ist es bereits der dritte Anlauf, der Europäischen Aktiengesellschaft (SE) eine „kleine Schwester“ an die Seite zu stellen. Diesmal wählt die Kommission jedoch einen anderen Weg: Sie... Mehr
Veröffentlicht: 18.05.2026
Blog: Melchers Rechtsanwälte - Gesellschaftsrecht
Der Aufsichtsrat ist das zentrale Kontrollgremium der Aktiengesellschaft. Er setzt sich aus gewählten Vertretern der Anteilseigner und – bei großen Gesellschaften – auch der Belegschaft zusammen. Seine Aufgabe ist es, den Vorstand zu beraten, vor allem aber zu überwachen und zu kontrollieren. Damit der Aufsichtsrat diese Funktion auch ordnungsgemäß wahrnehmen kann, ist er auf regelmäßige, strukturierte und verlässliche Informationen des Vorstands angewiesen. Der Vorstand ist deshalb verpflichtet, dem Aufsichtsrat mindestens vierteljährlich über den Gang der... Mehr
Veröffentlicht: 06.05.2026
Blog: Kliemt.blog - Vorstand und Aufsichtsrat
Aufsichtsratsmitglieder müssen Berichte des Vorstands über die Geschäftslage auch dann einholen und prüfen, wenn die Gesellschaft ihre Geschäftstätigkeit eingestellt hat. Dies hat der BGH mit Urteil vom 14. Oktober 2025 klargestellt.SachverhaltDer Beklagte war Aufsichtsratsvorsitzender einer Aktiengesellschaft, deren Unternehmensgegenstand auf die Vermittlung von Versicherungen beschränkt war. In den Jahren 2013 und 2014 ging die Gesellschaft keiner Geschäftstätigkeit nach. Ab Ende April 2015 tätigte der Vorstand jedoch satzungswidrige Grundstücksgeschäfte. Der Kläger schloss mit der Gesellschaft zwei Grundstückskaufverträge ab,... Mehr
Veröffentlicht: 29.04.2026
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A
1. Executive SummarySchiedsverfahren spielen im Gesellschaftsrecht eine wichtige Rolle, insbesondere bei Gesellschafterstreitigkeiten. Streitigkeiten in Gesellschaften beeinflussen meist direkt die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft. Schiedsverfahren bieten Vorteile wie Vertraulichkeit, Flexibilität und Effizienz, sind jedoch auch mit Herausforderungen verbunden. Eine präzise und umfassende Schiedsklausel ist zunächst entscheidend. Dabei sollten Aspekte wie Schiedsinstitution, Schiedsort, Verfahrenssprache, Qualifikation der Schiedsrichter, anwendbares Recht und Verfahrensordnung berücksichtigt werden.Neben gesellschaftsrechtliche Schiedsverfahren können auch parallel staatliche Gerichtsverfahren angestrengt werden. Dies gilt insbesondere für einige gesetzlicher... Mehr
Veröffentlicht: 20.03.2026
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A
BGH, Urteil vom 19.11.2025 – IV ZR 66/25: Verspäteter Insolvenzantrag indiziert keine wissentliche Pflichtverletzung mit Folge des Deckungsverlustes Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 19. November 2025 (Az. IV ZR 66/25) eine für die Praxis wegweisende Entscheidung an der Schnittstelle von Organhaftung, D&O-Versicherung und Insolvenzrecht getroffen. Kern der Entscheidung: Ein verspäteter Insolvenzantrag führt nicht automatisch zum Verlust des D&O-Versicherungsschutzes. Die Entscheidung ist für Geschäftsführer von GmbHs (und Vorstände von AGs) ebenso bedeutsam wie für Insolvenzverwalter... Mehr
Veröffentlicht: 19.03.2026
Blog: kösterblog - Blog zum Gesellschaftsrecht
Fehlt im Halbjahresfinanzbericht der gesetzlich vorgeschriebene Bilanzeid (§ 115 WpHG i. V. m. §§ 264, 289 HGB), droht einer AG ein Bußgeld. Nach § 93 AktG haften Vorstandsmitglieder persönlich für solche Pflichtverletzungen. Das Land- und Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte diesen Bußgeldregress der Gesellschaft gegen das Organmitglied. Organhaftung bei fehlendem Halbjahres-Bilanzeid: Bußgeldregress nach § 93 AktG Im Urteil vom 21. Oktober 2025 (Az. 31 U 3/25) hat das Oberlandesgericht Frankfurt die Regressansprüche einer Aktiengesellschaft gegen ihr früheres Vorstandsmitglied bekräftigt, nachdem die Finanzaufsicht infolge eines fehlenden Bilanzeids im Halbjahresfinanzbericht eine Geldbuße verhängt hatte. Hintergrund und... Mehr
Veröffentlicht: 13.03.2026
Blog: Kleeberg - Handels- und Gesellschaftsrecht
BGH – Ansprüche gegen D&O-Versicherung BGH-Urteil vom 19. November 2025 (Az. IV ZR 66/25): Versicherungsschutz trotz Insolvenzreife nicht automatisch ausgeschlossen Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil vom 19. November 2025 (Az. IV ZR 66/25) klargestellt, dass die verspätete Stellung eines Insolvenzantrags nicht ohne Weiteres dazu führt, dass Organmitglieder ihren Versicherungsschutz aus einer D&O-Versicherung verlieren. Maßgeblich ist vielmehr, ob die Voraussetzungen eines Risikoausschlusses – insbesondere wegen wissentlicher Pflichtverletzung – im konkreten Einzelfall tatsächlich vorliegen. Damit stärkt... Mehr
Veröffentlicht: 11.03.2026
Blog: MTR Legal – Gesellschaftsrecht
OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 21.10.2025 – 31 U 3/15 Eine aktuelle Entscheidung des OLG Frankfurt a.M. (Urt. v. 21.10.2025 – 31 U 3/15) gibt Anlass persönliche Haftungsrisiken für den Vorstand in den Blick zu nehmen. Eine börsennotierte Aktiengesellschaft (Klägerin) veröffentlichte einen Halbjahresfinanzbericht für 2018, der keinen sogenannten „Bilanzeid“ enthielt. Der Beklagte war zu diesem Zeitpunkt alleiniges Vorstandsmitglied. Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) ahndete diesen Verstoß als Ordnungswidrigkeit nach § 120 Abs. 12 Nr. 5... Mehr
Veröffentlicht: 13.02.2026
Blog: Jähne Günther Rechtsanwälte - Handels- und Gesellschaftsrecht
Auch nach dem Ausscheiden noch in der Haftung, warum sich Geschäftsführer nicht einfach „abmelden“ können Wer glaubt, mit der Abberufung als Geschäftsführer zugleich die eigene Haftung hinter sich zu lassen, irrt – jedenfalls dann, wenn er zuvor maßgeblich an einem betrügerischen Anlagesystem mitgewirkt hat. Das zeigt eine aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 2. Dezember 2025 zum Aktenzeichen II ZR 114/24, die für Geschäftsführer, faktische Organträger und andere Schlüsselpersonen in Vertriebssystemen erhebliche Sprengkraft entfaltet. Ausgangspunkt des... Mehr
Veröffentlicht: 24.01.2026
Blog: Kanzlei Braun - Gesellschaftsrecht
Haftung beginnt nicht mit der Krise Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Organhaftung sei erst bei wirtschaftlichem Scheitern relevant. Tatsächlich setzt die Haftung deutlich früher an – nämlich bei pflichtwidrigen Entscheidungen auf unzureichender Informationsbasis. Gerade zu Jahresbeginn treffen Geschäftsleiter regelmäßig Entscheidungen mit erheblicher Tragweite: Investitionen, Personalmaßnahmen, strategische Neuausrichtungen. Ohne aktualisierte Zahlen, belastbare Szenarien und dokumentierte Risikoabwägung wird aus unternehmerischer Freiheit schnell ein Haftungsrisiko. Warum Gerichte den Jahresanfang besonders kritisch sehen In Haftungsverfahren wird regelmäßig... Mehr
Veröffentlicht: 08.01.2026
Blog: CorporateLaw by Buse
Die neueste Fassung des chinesischen Gesellschaftsgesetzes hat sowohl den Kreis der verpflichteten Organe als auch den inhaltlichen Haftungsrahmen erweitert. Es haften nun Senior Manager ((stellvertretende) Geschäftsführer, Finanzverantwortliche und anderes Personal, das in der Satzung des Unternehmens als Senior Manager bezeichnet wird (z. B. Abteilungsleiter für Personal, Datensicherheit, Produktion und Arbeitssicherheit, ESG, Lieferkettenmanagement usw.)), Direktoren und Aufsichtsräte (Supervisors). Haftbare Organe haben Treue- und Sorgfaltspflichten gegenüber dem Unternehmen. Dies bedeutet u.a., dass haftbare Organe Maßnahmen ergreifen müssen, um... Mehr
Veröffentlicht: 25.08.2025
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A
Das Oberlandesgericht Köln (OLG) hat in einem aktuellen Urteil (vom 02.05.2024, 18 U 190/22) wichtige Grundsätze zur Haftung von GmbH-Geschäftsführern nach § 43 GmbH-Gesetz (GmbHG) konkretisiert. Der Fall betraf Schadensersatzansprüche einer GmbH gegen ihren ehemaligen Geschäftsführer wegen Fehlbeständen bei Munition und Wurftauben in einem von der Gesellschaft betriebenen Schießstand.Geschäftsführer muss Sorgfalt beweisenDas OLG Köln bestätigte zunächst die ständige Rechtsprechung zur Darlegungs- und Beweislast bei Schadensersatzansprüchen gegen GmbH-Geschäftsführer: Die Gesellschaft muss nur darlegen und beweisen, dass... Mehr
Veröffentlicht: 18.11.2024
Blog: Winheller - Gesellschaftsrecht
Hier erfahren Sie, was deutsche Gesellschaften beachten müssen, um in Bezug auf Ihre chinesischen Tochtergesellschaften und Beteiligungen die Vorgaben des überarbeiteten chinesischen Gesellschaftsgesetzes und der neuen Regularien zu Kapitaleinlagen zu erfüllen. Daneben hat das Oberste Volksgericht der VR China am 29. Juni 2024 eine Interpretation zu den neuen Bestimmungen erlassen, die einige, aber nicht alle Unklarheiten in Bezug auf die neuen Bestimmungen, die seit dem 1. Juli 2024 in Kraft getreten sind, beseitigen. Klar ist... Mehr
Veröffentlicht: 12.07.2024
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A
Bundesfinanzhof, Beschluss vom 15. November 2022 – VII R 23/19SachverhaltDer Kläger war seit der Gründung der A-GmbH im Jahr 2002 ihr alleiniger Geschäftsführer und hielt einen Geschäftsanteil in Höhe von 90 %. Die übrigen 10 % an der GmbH hielt sein Enkelsohn, der am 23. April 2012 die Geschäftsführung übernahm. Faktisch hatte indes der Sohn des Klägers, Prokurist der GmbH, die Geschäftsführung inne. Im Zeitraum vom 19. März 2007 bis zum 11. Juli 2011 hat... Mehr
Veröffentlicht: 27.04.2023
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A
OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 29. April 2022 (7 U 150/21)SachverhaltSeit Beginn des Strafprozesses gegen drei ex-Wirecard Verantwortliche berichtet die nationale und internationale Presse wieder sehr ausführlich über den gleichnamigen Skandal. Der ehmalige Vorstandsvorsitzende, Markus Braun, wird dabei regelmäßig als Kopf einer kriminellen Bande dargestellt. Eine solche Berichterstattung nimmt den Ausgang des Strafverfahrens in gewisser Weise vorweg: Karriere und Reputation des medial so Dargestellten erleiden auch dann einen kaum reparablen Schaden, wenn am Ende... Mehr
Veröffentlicht: 09.01.2023
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A
Das Urteil des OLG Köln vom 1. Oktober 2019, Az. I-18 U 34/18, ist eines der vergleichsweise wenigen obergerichtlichen Urteile zur Vorstandshaftung. Schon allein deshalb lohnt es sich, einen näheren Blick darauf zu werfen. Dabei zeigt sich: Das Urteil enthält mehrere interessante Aspekte, die für die Prüfung von Organhaftungsansprüchen – und damit für Gesellschaften, Organmitglieder und D&O-Versicherer gleichermaßen – relevant sind.In der folgenden knappen Zusammenfassung des Sachverhalts und der wesentlichen Entscheidungsgründe kann nicht im Einzelnen... Mehr
Veröffentlicht: 17.02.2020
Blog: Advant Beiten - Gesellschaftsrecht/M&A

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