Aktuelles zur Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung nach Art. 15 GG hat sich vom verfassungsrechtlichen Schattendasein zum rechtspolitischen Brennpunkt entwickelt. Die Norm erlaubt es, Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel gegen Entschädigung in Gemeineigentum oder andere Formen der Gemeinwirtschaft zu überführen – ein Verfassungsartikel, der jahrzehntelang als totes Recht galt, bis der Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ von 2021 die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen auf die Agenda setzte. Die von Berlin eingesetzte Expertenkommission hielt ein Vergesellschaftungsgesetz 2023 mehrheitlich für verfassungsrechtlich möglich.

Die neueste Wendung kommt vom Bund: Die Regierungskoalition plant ausweislich ihres Programms für Aufschwung und Beschäftigung, die konkurrierende Gesetzgebungskompetenz der Länder auf dem Gebiet der Vergesellschaftung durch ein Bundesgesetz auszuhebeln, um Vergesellschaftungen auf Länderebene zu verhindern. Ob ein solches Bundes-Veto verfassungsgemäß wäre, ist in der Staatsrechtslehre hoch umstritten: Die Diskussion kreist um die Reichweite der Sperrwirkung nach Art. 72 GG, die Frage, ob ein bloßes Verhinderungsgesetz ohne eigene Sachregelung die Kompetenz ausschöpfen kann, und die Bedeutung der grundgesetzlichen Offenheit für Vergesellschaftungen. Mehrere Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass Vergesellschaftungen durch die Länder möglich bleiben werden.

Recht Umschau aggregiert täglich aktuelle Rechtsnews zur Vergesellschaftung. Wir kuratieren Beiträge aus verfassungsrechtlichen Fachblogs, informative YouTube-Videos und Podcast-Episoden, die die Debatte um Art. 15 GG fundiert aufbereiten. Ob Analysen zum geplanten Bundesgesetz, der Stand des Berliner Vergesellschaftungsrahmengesetzes, Fragen der Entschädigungshöhe oder die kontroversen Positionen von Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Initiativen – bei Recht Umschau finden Sie täglich den aktuellsten Stand.

Blogs

im lande der experten Der Gesetzgeber baut bei der Bekämpfung des Antisemitismus auf strafrechtliche Sanktionen. Zuletzt im Mai hat Hessen im Bundesrat einen Entwurf für ein Verbot der Leugnung des Existenzrechts Israels eingebracht.(1) Das ist weder originell noch wirklich hilfreich, sondern einmal mehr symbolisches Strafrecht, das Jüdinnen und Juden in...Mehr
Veröffentlicht: 09.10.26
Blog: Strafverteidigertag - Rechtspolitik
von MATTHIAS GRÜBL Ausweislich ihres jüngst veröffentlichten „Programms für Aufschwung und Beschäftigung“ plant die Regierungskoalition die (konkurrierende) Gesetzgebungskompetenz der Länder auf dem Gebiete der Vergesellschaftung zumindest teilweise auszuhebeln. Unter Ziff. 18 Abs. 3 des nämlichen Programms heißt es denn wie folgt: „Um den privaten Wohnungsbau nicht zu gefährden, wird durch...Mehr
Veröffentlicht: 30.07.26
Blog: Juwiss - Rechtspolitik
von EMIL BRANDENBURG Mit ihrem Programm für Aufschwung und Beschäftigung möchte die Große Koalition des Bundes die Reißleine ziehen und sich am politischen Horizont abzeichnenden Vergesellschaftungen den Wind aus den Segeln nehmen: Vergesellschaftungen auf Länderebene sollen durch Bundesgesetz unmöglich gemacht werden. Dies treibt unerwartet zur Auseinandersetzung mit einem selten praxisrelevanten,...Mehr
Veröffentlicht: 16.07.26
Blog: Juwiss - Rechtspolitik

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